Das moderne Schulrechen: 4 = 3 = 2 = 1

Warum sage ich immer, dass die Schule nicht zum Lernen da ist? Weil der Aufbau eines Mechanismus darüber urteilen lässt, zu welchem Zweck dieser Mechanismus dient. Also, wenn z.B. bei der Konstruktion eines Autos kein Motor und überhaupt kein Abtrieb vorgesehen ist, dann schließt man gleich daraus, dass dieses Auto von Anfang an nicht als Beförderungsmittel projektiert wurde (obwohl es äußerlich wie ein echtes Auto aussehen kann).

auto-schaukel

Genauso fehlt einem heutigen Schüler innerhalb des Schulsystems irgendein Antrieb zum Lernen. So ein Teil wurde von den Entwurfsingenieuren im Mechanismus einfach nicht vorgesehen. Die guten Schüler bekommen von der Schule keine Belohnung, die schlechten brauchen sich vor keiner Strafe zu fürchten (mit unangenehmen Konsequenzen haben nur äußerst schlechte zu tun).

Das einzige, was einem solchen Antrieb einigermaßen ähnelt, sind die Noten. Aber das ist eher ein Rudiment, das von den Vorzeiten geerbt wurde, wo es noch keine strikten Datenschutzvorschriften gab. Damals führten die Noten automatisch zu einer Art von Wettbewerb zwischen den Schülern, und Wettbewerbsbeteiligung ist immer ein guter Ansporn. Heutzutage sind die Noten zu einem Geheimnis geworden und damit auch zu bloßen Zifferchen auf einem Papierchen. (Ich möchte gern sehen, was z.B. aus Eiskunstlauf wird, wenn da die Noten, die die Sportler bekommen, unter dem Datenschutz stehen würden.)

Die Schulnoten dienen jetzt lediglich dafür, dass man bestimmen kann, ob ein Schüler in die nächste Klasse versetzt wird oder nicht. Dabei unterscheidet sich vier mitnichten von eins. Kluge moderne Kinder lernen diese Arithmetik-Regel sehr schnell und zuverlässig. Wozu also sich um die eins zu bemühen, wenn die gleichwertige vier fast umsonst zur Verfügung steht? Den echten Unterschied gibt es nur zwischen fünf und vier.

Die altmodischen Eltern mögen dazu andere Meinung haben, aber das ist doch egal. Die vollständigen Kenntnisse über die Noten ihrer Kinder bekommen sie sowieso nur zwei Mal pro Jahr (in der Form eines Schulzeugnisses). Sooft kann ein Schüler einen Krach mit den Eltern wegen seiner Schulleistungen ganz gut überleben. In der übrigen Zeit braucht er ihnen über seine Noten überhaupt keine Auskunft zu geben. Falls sie danach fragen, kann er immer antworten, dass die Klassenarbeiten noch nicht geschrieben wurden, und wenn schon, dann haben die Lehrer sie bis jetzt noch nicht geprüft. Was die mündlichen Noten angeht, die werden möglicherweise (nicht unbedingt) zusammen mit der schriftlichen in den Klassenarbeitsheften mitgeliefert, dazu aber muss man, wie gesagt, ein bisschen Geduld haben.

Ich weiß nicht, ob es für die Lehrer irgendeinen Unterschied zwischen fünf und vier gibt, mit anderen Worten, ob sie irgendeine Interesse daran haben, dass ihre Schüler in die nächste Klasse versetzt werden. Mir ist nur bekannt, dass sie nicht verpflichtet sind, die Eltern zu informieren, wenn einem Kind die Gefahr droht, sitzenzubleiben (geschweige denn, eine vier im Zeugnis zu haben).

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